04. Dezember - Auf dem Weg nach Gibraltar
Wir verließen nichts Vertrautes hinter uns, sondern eine Gegend, die uns, ehrlich gesagt, überhaupt nicht zugesagt hatte. Dreckige Strände, Wohngegenden, die fast ausschliesslich von Expats geprägt waren, und eine Landschaft, die karg wirkte und nahezu nur in unterschiedlichen Brauntönen existierte. Es war kein Abschied mit Wehmut, sondern ein bewusstes Weiterziehen.
Gibraltar war unser klares Ziel. Gleichzeitig spürten wir, wie mühsam es ist, mit einem rund vier Tonnen schweren Wohnmobil lange Strecken auf den Strassen Andalusiens zurückzulegen. Kurvige Abschnitte, wechselnde Fahrbahnbeläge und ein Tempo, das sich dem deutschen Massstab nur selten annähert, machten diese Etappe anstrengend.
Und doch hatte genau diese Langsamkeit etwas Ehrliches. Sie zwang uns zur Geduld, ließ Gespräche entstehen und schärfte den Blick für das Wesentliche: unterwegs zu sein, gemeinsam, mit einem klaren Ziel vor Augen.
Eine Lenticularis-Wolke, sie bildet sich, wenn feuchte Luft über ein Gebirge strömt und dahinter in eine Art Wellenbewegung gerät. Dort, wo die Luft aufsteigt und abkühlt, kondensiert der Wasserdampf. Während der Wind weiter darüber hinwegzieht, verdunsten die Tropfen auf der Rückseite wieder. So wirkt es, als würde die Wolke still am Himmel stehen, obwohl sie sich in Wirklichkeit ununterbrochen erneuert.
08.-09. Dezember - kurz vor Gibraltar
Die Tage kurz vor Gibraltar fühlten sich wie ein Innehalten an. Wir waren bereits ganz in der Nähe, und doch blieb der berühmte Felsen zunächst verborgen. Das Wetter wechselte, ebenso die Sicht, und wir verbrachten diese Zeit mit Beobachten statt Abhaken.
Gerade diese Zwischenstation hatte ihren eigenen Wert. Ohne Programm und ohne Erwartungsdruck blieb Raum für Gespräche, für das Meer, für den Wind – und für die Vorfreude der Jungs, die Gibraltar längst als Abenteuer abgespeichert hatten. Rückblickend war es ein ruhiger Auftakt, der uns erdete.
"The Rock" (Gibraltar) befindet sich links im Bild unter dem Paraglider.
Sicht auf Gibraltar (links im Bild - unter dem Paraglider) von der Mittelmeerseite.
11. Dezember - Gibraltar, erster Versuch
Unser erster Versuch, Gibraltar wirklich zu erleben, scheiterte nicht an der Planung, sondern am Wetter. Der Berg lag dicht eingehüllt in Wolken. Keine Aussicht, keine Berberaffen, kein Skywalk, keine Hängebrücke – der Upper Rock war praktisch unsichtbar.
Natürlich waren wir vor Ort, natürlich haben wir uns bewegt, geschaut, versucht. Aber schnell wurde klar: Das hier war kein repräsentativer Eindruck. Statt Enttäuschung blieb vor allem Akzeptanz. Reisen bedeutet auch, Dinge anzunehmen, wie sie sind. Uns war klar, dass wir zurückkommen würden – unter besseren Bedingungen.
13. Dezember - Sevilla
Sevilla war für uns nicht nur ein kultureller Abstecher, sondern auch eine bewusste Entscheidung. Während für den Süden – rund um den Campingplatz Sureuropa und La Línea – anhaltender Regen vorhergesagt war, versprach Sevilla an diesem Wochenende stabiles Wetter mit Temperaturen um die 20 Grad. Allein das machte den Ortswechsel plausibel.
Doch schnell wurde klar, dass Sevilla weit mehr war als nur eine meteorologische Ausweichlösung. Nach Küste, Wind und Wolken öffnete sich eine Stadt voller Struktur, Geschichte und Rhythmus. Warmes Licht lag auf altem Stein, und in nahezu jeder Straße wurden historische Schichten sichtbar.
Wir bewegten uns zu Fuß durch die Stadt, ohne Eile. Sevilla ist kein Ort, den man konsumiert – er entfaltet sich langsam. Kleine Gassen, ein ruhiges, unaufgeregtes Treiben und viele kleine, angenehme Geschäfte prägten unser Bild der Stadt. Es war die erste spanische Stadt auf unserer Reise, die wir bewusst für einen erneuten Besuch abgespeichert hatten.
In Innenhöfen, im Spiel von Licht und Schatten und im Klang der Sprache wurde deutlich, dass Sevilla Zeit belohnt. Für uns war es ein Tag, der weniger von einzelnen Sehenswürdigkeiten lebte als von Atmosphäre – und von der richtigen Entscheidung, dem Regen zu entkommen.
17. Dezember - Gibraltar im Sonnenschein
Beim zweiten Anlauf zeigte sich Gibraltar von einer völlig anderen Seite. Klarer Himmel, kräftiges Licht und freie Sicht machten sofort deutlich, wie sehr dieser Ort vom Wetter abhängt. Plötzlich ergaben Wege, Aussichtspunkte und Perspektiven ein stimmiges Ganzes.
Die Berberaffen sorgten für staunende und lachende Momente bei den Jungs, während wir immer wieder an Aussichtspunkten stehen blieben. Der Blick über die Straße von Gibraltar bis nach Afrika machte Geografie greifbar - und Geschichte spürbar. Hier treffen Kontinente, Interessen und Erzählungen auf engstem Raum zusammen.
19. Dezember - Tarifa und der Surfspot
In Tarifa übernachteten wir ausserhalb der Stadt auf einem eigens für Camper vorgesehenen Parkplatz. Wohnmobile sind aus dem Stadtgebiet verbannt – vermutlich auch deshalb, weil es in der Vergangenheit viele übertrieben haben. Die Regelung wirkt streng, ist aber nachvollziehbar und sorgt dafür, dass die Stadt selbst entlastet bleibt.
Tarifa präsentierte sich uns als nette, überschaubare Stadt mit eigenem Rhythmus. Deutlich spürbar ist hier die Nähe zu Afrika: im Licht, im Wind, in der Art, wie sich alles ein wenig anders anfühlt als weiter nördlich. Tarifa wirkt wie ein Vorposten des afrikanischen Kontinents – europäisch organisiert, aber atmosphärisch bereits auf der anderen Seite der Straße von Gibraltar.
Der Wind bestimmte den Tag. Er trieb die Wolken vor sich her, formte die Wellen und prägte die Bewegung der Menschen. Am Surfspot ging es weniger um das perfekte Bild als um das Erleben selbst: salzige Luft, konstante Böen und das Gefühl, an einem Ort zu stehen, an dem Übergänge nicht theoretisch sind, sondern täglich gelebt werden.
Campen in Spanien - Realität im Winter
Im Verlauf dieser Reise wurde uns deutlich, dass Spanien im Winter längst kein ruhiger Geheimtipp mehr ist, sondern ein stark frequentiertes Ziel für Camper aus ganz Europa – insbesondere aus Deutschland. Viele überwintern hier für mehrere Wochen oder Monate, angelockt von milden Temperaturen, viel Sonne und einer vergleichsweise guten Camping‑Infrastruktur, vor allem entlang der Mittel‑ und Südküste.
Diese Beliebtheit hat jedoch ihre Schattenseiten. In vielen Regionen sind Campingplätze und ausgewiesene Stellplätze selbst außerhalb der klassischen Hochsaison stark ausgelastet. Spontan einen freien Platz zu finden, ist oft schwierig. Wir haben erlebt, dass viel Zeit verloren geht – nicht nur bei der Suche nach einem geeigneten Campingplatz, sondern auch beim Warten und Hoffen, dass dort tatsächlich noch ein Platz für uns frei ist.
Damit wurde schnell klar: Es reicht nicht, einen einzelnen Zielplatz im Kopf zu haben. Wer entspannt reisen möchte, sollte idealerweise bereits zwei Alternativen eingeplant haben. Andernfalls kann ein Reisetag schnell in eine ermüdende Parkplatz‑Odyssee münden, die wenig mit Freiheit oder Leichtigkeit zu tun hat.
Diese Übersättigung erklärt auch, weshalb viele Städte zunehmend restriktiv gegenüber Wohnmobilen vorgehen. Park- und Übernachtungsverbote sind keine Ausnahme mehr, sondern oft die Reaktion auf jahrelange Übernutzung.
Was dabei besonders deutlich wird: Diese Restriktionen gelten längst nicht mehr nur für Innenstädte oder touristische Hotspots, sondern pauschal für nahezu alle Arten von Parkplätzen. Selbst für einen einfachen Wocheneinkauf muss man sich faktisch aktiv über Verbotsschilder hinwegsetzen. Wohnmobile sind auch auf den Parkplätzen gängiger Supermärkte wie ALDI, LIDL & Co. offiziell unerwünscht.
Der Alltag wird dadurch unnötig verkompliziert. Dinge, die selbstverständlich sein sollten – einkaufen, kurz anhalten, versorgen – geraten in eine Grauzone zwischen Duldung und Verbot. Für uns gehört auch diese Erfahrung mittlerweile zur Realität des Campings in Spanien. Sie ist Teil derselben Gleichung wie Sonne, Wind und Meer – verändert jedoch den eigentlichen Gedanken des Campens grundlegend. Das Gefühl von Freiheit, Einfachheit und Selbstverständlichkeit, wie wir es insbesondere in den baltischen Staaten kennengelernt haben, geht hier weitgehend verloren. Vor diesem Hintergrund kommt eine erneute Reise nach Spanien mit dem Camper für uns kaum noch in Frage.
Trinkwasser unterwegs - bewusste Entscheidung statt Gewohnheit
Auch das Thema Trinkwasser ist für uns zu einem festen Bestandteil der Camping-Realität in Spanien geworden. Zwar wird Leitungswasser vielerorts offiziell als trinkbar ausgewiesen, in der Praxis ist es jedoch häufig stark gechlort. Geschmack und Geruch waren für uns so präsent, dass wir froh waren, unseren Wasserfilter dabeizuhaben.
Bereits in der Vorbereitung der Reise haben wir uns bewusst für das Filtern von Wasser entschieden – nicht aus Misstrauen, sondern aus Überzeugung. Unser eingesetzter ALB‑Filter kombiniert einen Sedimentfilter, einen Aktivkohlefilter und einen Lamellenfilter. Diese mehrstufige Filterung reduziert Partikel, Chlorgeruch und geschmacksstörende Stoffe deutlich.
Der Nutzen zeigte sich schnell auf mehreren Ebenen. Zum einen wurde das Wasser für uns erst wirklich trink- und genusstauglich, sowohl pur als auch zum Kochen. Zum anderen war die Entscheidung ein klarer Schritt gegen unnötigen Plastikmüll. Trinkwasser in einer Qualität, die unserem gewohnten Standard entspricht, ist in Spanien ansonsten meist nur in Form von Wasser aus Plastikflaschen im Supermarkt erhältlich. Mit unserem Filtersystem konnten wir in den ersten sechs Monaten Hunderte Einwegflaschen vermeiden.
Auch wenn es kritische Stimmen zu solchen Filtersystemen gibt, war unsere praktische Erfahrung eindeutig. Diese subjektiven Eindrücke konnten wir zudem mit Wasser‑Teststreifen untermauern, die Unterschiede vor und nach der Filterung sichtbar machten. In den einzelnen Filterstufen liessen sich Rückstände und Gerüche klar wahrnehmen – ein stetiger Beleg dafür, dass Stoffe zurückgehalten wurden, die wir nicht im Trinkwasser haben wollten. Für uns hatte der Filter damit einen doppelten Mehrwert: mehr Vertrauen in das Wasser, das wir täglich nutzen, und einen deutlich reduzierten ökologischen Fussabdruck.
Diese Entscheidung fügt sich nahtlos in unsere Art des Reisens ein. Sie steht für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – auch bei scheinbar selbstverständlichen Dingen wie Trinkwasser.
Der Sedimentfilter wird in etwa alle vier Wochen gewechselt und war eigentlich immer voll. Oben ein frischer Filter, unten ein Filter nach 3-4 Wochen.
Zumal die Flussgeschwindigkeit massiv reduziert ist und der Filter eine Menge Wasserdruck braucht, mussten wir manchmal kreativ werden, um unser Wasser trotzdem noch filtern zu können.
Der Filter besteht aus drei Elementen: Sediment Filter (unterer schwarzer Ring), Aktivkohlefilter (silberner Filter Teil mit der Aufschrift Alb) und Lamellen – Filter (oberer silberner Teil)