Mission-Erde-Entdecken

Portugals und Spaniens Norden (29. März - 08. April 2026)

Nach unserer “Pause” in Thailand genehmigen wir uns ein paar Tage wieder in Europa angekommen zu sein. Wo könnte man dies besser machen als in Portugal. Daher wir aber auf unserer Reise so viel noch nicht gesehen haben, wollen wir den Norden Spaniens recht schnell durchreisen und über Andorra und Frankreich in die “Mitte” Europas, um dann schließlich noch einmal in den Osten zu kommen.

2026-04-01_Thailand_538.jpg
2026-04-01_Thailand_537.jpg
2026-04-01_Thailand_531.jpg
2026-04-01_Thailand_528.jpg
2026-04-01_Thailand_526.jpg
2026-04-01_Thailand_523.jpg
2026-04-01_Thailand_473.jpg
2026-04-01_Thailand_471.jpg
2026-04-01_Thailand_460.jpg

Zwischen Feuer und Wasser

Portugal

Der Norden Portugals empfängt uns anders als erwartet. Seit Wochen hat es nicht geregnet. Die Landschaft ist trocken, angespannt – und bereits auf den ersten Kilometern sehen und riechen wir den Rauch der Brände in den Bergen.

Unser Wohnmobil hat die Wochen unserer Thailandreise in Guimarães gewartet. Wir kehren dorthin zurück, holen es wieder ab – und setzen unsere Reise genau hier fort. Ein leiser, fast unspektakulärer Wiedereinstieg in Europa.

Von dort fahren wir weiter in die Berge, dorthin, wo das Feuer bereits Spuren hinterlassen hat.

Dort oben verändert sich das Bild. Zwischen verbrannten Flächen und Rauchfahnen liegt ein See, der fast zu viel Wasser führt. Baumkronen ragen aus der Oberfläche, als hätte das Wasser die Landschaft einfach verschoben. Ein stiller, fast unwirklicher Ort – als würde er sich nicht entscheiden können, ob er Bedrohung oder Zuflucht ist.

Gleichzeitig beginnt sich etwas zu verändern. Die ersten Knospen sind zu sehen, das Grün kehrt langsam zurück. Mit ihm kommen auch die weniger romantischen Begleiterscheinungen: laufende Nasen, Niesanfälle, Tabletten gegen die Allergie. Frühling, ganz praktisch.

Es ist Nebensaison. Ausser uns steht nur eine britische Familie auf dem Platz. Keine Enge, keine Geräusche – nur Wind, Wasser und gelegentlich der entfernte Geruch von Rauch.

Nach den Wochen in Thailand fühlt sich dieser Ort nicht wie eine Rückkehr an, sondern wie ein Übergang. Europa beginnt hier leise.

Und am Ende bleibt ein Eindruck, der sich nicht eindeutig einordnen lässt: eine Landschaft zwischen Extremen – trocken und überflutet, verbrannt und im Aufbruch zugleich.

Wunderschön.

2026-04-06_Thailand_582.jpg
2026-04-06_Thailand_583.jpg

Wasser und Weite

Spanien


Der Norden Spaniens präsentiert sich für uns deutlich anders als der Süden, aber nicht karg, wie man vielleicht erwarten würde. Im Gegenteil: Der Frühling ist hier bereits spürbar angekommen. Die Bäume treiben aus, frisches Grün überzieht die Landschaft, und die Wiesen wirken lebendig und weich. Es ist eine Phase des Übergangs, in der sich alles sichtbar verändert.

Gleichzeitig beginnt mit Ostern die Campingsaison, was die Dynamik spürbar verändert. Plötzlich ist Bewegung da. Plätze füllen sich, Reservierungen werden zur Notwendigkeit. Das Wort „completo” hören wir häufiger, als uns lieb ist, bevor wir schließlich über die Feiertage einen Platz finden.

Mit dem Ankommen kehrt auch unser Rhythmus zurück. Wir verlangsamen wieder, lassen Orte auf uns wirken, statt sie abzuarbeiten. Kleine Städte wie Tordesillas oder Landschaften wie die Vorpyrenäen rund um den Río Vero passen genau zu dieser Phase unserer Reise.

Tordesillas

Tordesillas wirkt zunächst unscheinbar. Eine ruhige Kleinstadt in Kastilien und León, am Ufer des Duero gelegen. Doch gerade diese Ruhe täuscht. Hier wurde 1494 Geschichte geschrieben, mit dem Vertrag von Tordesillas, der die Welt in zwei Einflussbereiche teilte. Ein abstrakter politischer Akt, dessen Auswirkungen bis heute sichtbar sind.

Wir bewegen uns durch die Stadt ohne festen Plan. Die Plaza Mayor gibt den Takt vor, geschlossen, klar strukturiert, fast zeitlos. Wenige Schritte weiter das Kloster Santa Clara, still, zurückgenommen, mit einer Architektur, die verschiedene Epochen vereint.

Was bleibt, ist weniger das historische Ereignis selbst als vielmehr ein Gefühl von Verdichtung. Die Geschichte liegt hier nicht offen ausgestellt, sondern ist eher spürbar. Vielleicht auch durch die Geschichte von Johanna von Kastilien (die “Wahnsinnige“), die hier über Jahre hinweg isoliert lebte.

Und dann gibt es noch die ganz praktische Ebene unserer Reise: die Versorgung. Nach Tagen unterwegs wird Tordesillas für uns auch zu einem Ort der unmittelbaren Bedürfnisse: Kekse, Baguette, Erdbeeren. Dinge, die in dem Moment genauso relevant sind wie jede historische Einordnung. Wir kaufen ein, setzen uns hin und essen sofort. Auch das gehört zu diesem Ort.

2026-04-03_Thailand_545.jpg
2026-04-03_Thailand_540.jpg
2026-04-03_Thailand_541.jpg
2026-04-03_Thailand_542.jpg
2026-04-03_Thailand_548.jpg
2026-04-03_Thailand_549.jpg
2026-04-03_Thailand_550.jpg
2026-04-03_Thailand_551.jpg
2026-04-03_Thailand_553.jpg
2026-04-03_Thailand_547.jpg
2026-04-03_Thailand_546.jpg

Monasterio de Piedra


Das Monasterio de Piedra wirkt für uns wie ein bewusster Kontrast zur umgebenden Landschaft Aragoniens. Während draußen Trockenheit dominiert, begegnet uns hier Wasser in Bewegung – strukturiert, geführt, aber dennoch präsent.

Das ehemalige Zisterzienserkloster folgt einer klaren, reduzierten Logik. Keine Überladung, keine Inszenierung. Diese Zurückhaltung setzt sich im Park fort, auch wenn er deutlich gestaltet ist. Wege, Brücken und Blickachsen führen uns durch eine Landschaft, die fast kuratiert wirkt.

Besonders die „Cola de Caballo” bleibt hängen. Nicht nur als Wasserfall, sondern als Raum. Hinter dem fallenden Wasser zu stehen, verändert die Perspektive, für einen Moment entsteht Distanz zur Umgebung, fast wie ein Rückzugspunkt innerhalb der Landschaft.

Interessant ist für uns auch die historische Randnotiz: dass hier erstmals in Europa Schokolade zubereitet worden sein soll. Ein Detail, das zunächst nebensächlich wirkt, sich aber dann überraschend gut mit unserer eigenen Realität verbindet. Denn natürlich bleibt es nicht bei der Theorie; Schokolade gehört bei uns inzwischen fast zur Grundausstattung.

2026-04-03_Thailand_554.jpg
2026-04-03_Thailand_555.jpg
2026-04-03_Thailand_556.jpg
2026-04-03_Thailand_559.jpg
2026-04-03_Thailand_560.jpg
2026-04-03_Thailand_561.jpg
2026-04-03_Thailand_562.jpg
2026-04-03_Thailand_563.jpg
2026-04-03_Thailand_564.jpg
2026-04-06_Thailand_565.jpg
2026-04-06_Thailand_566.jpg
2026-04-06_Thailand_567.jpg
2026-04-06_Thailand_568.jpg
2026-04-06_Thailand_569.jpg
2026-04-06_Thailand_570.jpg
2026-04-06_Thailand_571.jpg
2026-04-06_Thailand_572.jpg
2026-04-06_Thailand_573.jpg
2026-04-06_Thailand_574.jpg
2026-04-06_Thailand_576.jpg
2026-04-06_Thailand_581.jpg

Río Vero


Am Río Vero verschiebt sich unser Fokus. Nicht das Wasser steht im Mittelpunkt, sondern der Raum darüber. Über den Felsen kreisen Adler und Milane, getragen von der Thermik, ruhig, fast kontrolliert. Zu schade, dass das große Teleobjektiv zu Hause im Schrank wartet.

Wir passen uns dieser Ruhe an. Kurze Spaziergänge statt langer Touren. Pausen. Zeit für Schule, für Beobachtung. Die Landschaft wird weniger zu etwas, das wir durchqueren, sondern zu etwas, das wir betrachten.

Alquézar bleibt für uns vorerst unerreichbar. Ohne Fahrzeug, ohne Anbindung, ohne einfache Lösung. Es ist einer dieser Momente, in denen unsere Art zu reisen Grenzen zeigt. Gleichzeitig entsteht daraus eine gewisse Gelassenheit. Nicht alles muss erreichbar sein.

Vielleicht kommen wir zurück. Vielleicht auch nicht. Beides ist in Ordnung.